MITGLIEDSCHAFT

  • Mitgliedschaftsantrag
    Sie erhalten aktuelle Information und anwaltliche Beratung für die Länder Frankreich, Italien und Spanien.
    Als Mitglied sind auch Sie auf der sicheren Seite!

Touristen-Nepp: Wie viel dürfen Spaghetti kosten?

Zweitwohnungsbesitzer werden wissen, wo es in ihrer Nähe gute Lokale gibt. Wer aber unterwegs ist, muss sich ohne Ortskenntnis eher auf sein Gefühl verlassen oder irgendeinem Internet-Tip oder Gastronomie-Führer vertrauen. Unbestreitbar ist, dass es auch in Italien Touristen-Nepp gibt, dieser aber durch naives Verhalten von Touristen oftmals sehr leicht gemacht wird.

Es war reiner Zufall, dass in unserer letzten Ausgabe der DSA-Zeitschrift der Artikel „Brot und Gedeck: Kosten gerechtfertigt?“ erschienen ist. Bei „Brot und Gedeck“ geht es aber um vergleichsweise kleine Beträge, auch wenn für pane e coperto oder auch für servizio zu viel in Rechnung gestellt worden sein sollte.
Da solche Rechnungsposten nicht verbindlich festgelegt sind, empfiehlt die Verbraucherzentrale Südtirol noch vor der Bestellung nachzufragen, ob Brot, Gedeck und Service inkludiert sind bzw. welche Kosten dafür anfallen. Wer diese nicht akzeptieren will, kann ja wieder aufstehen und gehen, eventuell auch unter dem Gesichtspunkt, dass überhöhte Kosten für das Gedeck auch ein Indiz für die Preiswürdigkeit des Lokals insgesamt dienen kann. Oder man macht davon kein Aufheben und bleibt sitzen und bestellt, das ist die bequemere Alternative.

Betrogene Touristen
Aufstehen und weggehen ist auch den Gästen möglich, die nach der Durchsicht der Speise- und Getränkekarte zum Ergebnis kommen, dass das Preisniveau für den eigenen Geldbeutel nicht in Frage kommt oder die Preise für Speisen und Getränke als überhöht erscheinen.
Gibt es aber keine Speisekarte bzw. wird dies zumindest vom Kellner behauptet und die Gerichte ohne Preise nur mündlich vorgetragen, dann sollte dies ein Grund zu besonderer Vorsicht sein, es sei denn, man kennt das Lokal.

Preislisten müssen aushängen
Eigentlich sind italienische Lokale zu schriftlichen Preislisten verpflichtet und müssen diese auch aushängen. Aber wenn es angeblich oder tatsächlich keine gibt oder die ausliegende Speisekarte, vielleicht aus sprachlichen Gründen, nicht angeschaut wird und dennoch Essen und Getränke bestellt werden, könnte eine überraschend hohe oder überhöhte Rechnung die Folge sein.

„Tonnarelli cacio e pepe“
Für Furore nicht nur in den sozialen Medien sorgte die Rechnung bzw. deren Abbildung des Ristorante Pizzeria Antico Caffè di Marte in Rom in Höhe von 429,80 Euro für zwei Teller Spaghetti mit Fisch und eine Flasche Wasser und Trinkgeld, die Mitte September zum Mittagessen in Rom konsumiert worden waren.
Die beiden japanischen Touristen haben, laut dem im IlMessagero zitierten Anwalt des Restaurants als ersten Gang Tonnarelli cacio e pepe (Spaghetti mit Käse und Pfeffer), zwei gegrillte frische Fischteller – grigliate di pesce fresco misto, eine Beilage gegrilltes Gemüse – contorno di grigliata di verdure – sowie Mineralwasser und Tischservice – bevande e servizio al tavolo – konsumiert und den Kellnern ein Trinkgeld von 80 Euro gegeben.
Das sind keine seriösen Preise, auch wenn sich das Lokal in Rom und dort in sehr guter Lage im historischen Zentrum befindet. Allerdings ist den Medien nicht zu entnehmen, ob sich die japanischen Touristinnen gegen die Rechnung gewehrt haben. Dass trotz der überhöhten Rechnung auch noch ein zusätzliches Trinkgeld – mancia – von 80 Euro auf die Rechnung gesetzt (was unzulässig ist) und dann auch bezahlt wurde, lässt sich eigentlich nur mit völliger Unkenntnis der italienischen Sprache erklären, worauf die Restaurantbesitzer offensichtlich spekuliert haben. Vielleicht gereichte den Touristinnen auch zum Nachteil, dass sie aus Japan kommen und zu höflich und zurückhaltend waren, als dass sie lautstark reklamieren würden.
Das Vorgehen des Restaurants ist unseriös bis betrügerisch und aufgrund der Verbreitung der eingescannten Rechnung in den sozialen Medien nicht nur für das betreffende Lokal rufschädigend. So ein Vorgang gerät aber auch schnell wieder in Vergessenheit, unseriöse Restaurants werden sich so nicht abschrecken lassen.

Fehlende Konsequenzen
Zwar ist dieses Problem des Touristen-Nepps nicht neu, aber es fehlt entweder den Behörden an schlagkräftigen Möglichkeiten dagegen vorzugehen oder am notwendigen Einsatz der Behörden selbst. Das betreffende Lokal war nur einige Tage geschlossen worden – chiuso e subito riaperto, wobei dann noch andere Aspekte von den Behörden aufgegriffen wurden, die eventuell zu einer Geldbuße führen können, u. a. dass ein Teil der bestuhlten Außenfläche nicht genehmigt war.
1.11.2019ps

« zurück zu " T"« zurück zum Online-Lexikon